Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Mitglieder des ÖAGG,
Wieder erleben wir die Zeit im Jahr, die sich durch Wiederkehr auszeichnet. Festtage, Übergänge, Jahresenden, die sich scheinbar vordergründig im Kalender ausdrücken, tatsächlich aber Verdichtungen von Zeit darstellen. Wir feiern gemeinsam, verabschieden uns von Vergangenem und beginnen Neues. In einer Welt, die zunehmend an Stabilität verliert, ermöglicht diese bewusste Unterbrechung des Alltäglichen Orientierung. Rituale prägen diese Tage und laden zum Verweilen ein. Rituale widerstehen der Beschleunigung, dem ständigen Wandel, der uns ständig in Bewegung hält, ohne die Möglichkeit anzukommen. In ihnen wird Zeit verdichtet, Bedeutung stabilisiert. Wo Kontingenz, Zufall und Willkür dominieren, entsteht durch gemeinsames Handeln eine Form kollektiver Sicherheit. Nicht weil Rituale Kontrolle versprechen, sondern weil durch die gemeinsame Erfahrung das Unkontrollierbare eine Form erhält. Wir handeln gemeinsam, ohne dass das Ziel im Vordergrund steht. So werden Rituale zu Orten des Innehaltens. Sie erzählen von Verlässlichkeit durch ihre Wiederholung, wodurch Veränderung erst sichtbar wird. Vielleicht sind sie deshalb so unverzichtbar. Sie ermöglichen uns in einem Zustand wachsender Ungewissheit verbunden zu bleiben. Miteinander, mit der Zeit, mit uns selbst.
Auch im ÖAGG lassen sich stabilisierende Wiederholungen erleben, die Orientierung bieten. Gleichzeitig ist es auch notwendig, sich von Vergangenem zu verabschieden und Offenheit für Neues zu entwickeln.
Es wurde von den Sektionen begonnen, die Tätigkeiten und Aufgaben im Sinne der neuen Rahmenbedingungen und Kooperationsnotwendigkeiten weiterzuentwickeln, ohne Gewissheiten, wie sich diese Bedingungen genau darstellen. Herzlichen Dank dafür den vielen engagierten Kolleg:innen.
Die sich verändernden Bedingungen von Beratung und Therapie enthalten auch die Aufforderung, sich in Bewegung zu setzen. Dieser Impuls wird auch vom ÖAGG gemeinsam aufgenommen, indem sektionsübergreifend Vordenken passiert. Trotz Ungewissheit gelingt in dieser kreativen Weiterentwicklung gemeinsames Handeln.
Der Vorstand hat sich ebenfalls Rituale geschaffen, um vom wiederkehrenden „Zeit suchen und finden“ müssen, zur Sicherheit des gemeinsamen Austausches und Handelns zu gelangen. Eine Form, die es ermöglicht, trotz Ungewissheiten gemeinsam zu navigieren.
Wir wünschen ihnen Zeiten und Orte des Innehaltens, die Verlässlichkeit und Stabilität erleben lassen, damit sie sich umsehen können, und Verbindungen sichtbar werden.
Liebe Grüße und Zeiten und Orte zum Verweilen wünschen
Karin Zajec, Leo Heilinger, Georg Eckert und Franz Schiermayr